Ein Wirtschaftsimperium aufgrund von NS Zwangsarbeit?
Die Quandts sind laut dem „Forbes Magazin“ mit Abstand die reichste Familie Deutschlands. Ihr Vermögen basiert jedoch auch auf engen Verbindungen zum NS-Regime und dem damit verbundenen massiven Einsatz von Zwangsarbeitern in ihren Betrieben.
Wer sind die Quandts?
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| wikipedia.de/Günther_Quandt |
Im Verlauf der industriellen Revolution entstanden in der Mark Brandenburg zahlreiche Webereien. Emil Quandt (1849–1925) übernahm 1883 die Tuchmanufaktur seines vormaligen Arbeitgebers und produzierte unter anderen Uniformen für die Armee. Günther Quandt (1881–1954) baute im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Zeit die Firmenbeteiligungen weiter aus und erwirtschaftete eines der größten Firmenvermögen der damaligen Zeit. In der Zeit des Nationalsozialismus vermehrte und vergrößerte Günther Quandt den Familienbesitz teils auf Kosten unrechtmäßig enteigneter, meist jüdischer Konkurrenten und wurde zu einem großen Produzenten von Rüstungs- und Industriegütern. Die Quandts profitierten erheblich im Zweiten Weltkrieg vom Zwangsarbeitereinsatz in ihren Fabriken.
Das heutige Vermögen der Familie Quandt beruht insbesondere auf dem Engagement von Herbert Quandt bei der Sanierung des Automobilherstellers BMW Anfang der 1960er Jahre. Der mit Abstand größte Teil des Quandt-Vermögens besteht heute in der Beteiligung an BMW.
Die Quandts während der NS-Zeit
Die 2007 ausgestrahlte NDR-Doku „Das Schweigen der Quandts“ löste eine kontroverse Diskussion über die Rolle der Quandts während der NS-Zeit aus. Besonders die durch die Doku veröffentlichten Berichte über sehr schlechte Arbeitsbedingungen in der Batteriefabrik Pertrix und des firmeneigenen KZ-Außenlagers Hannover-Stöcken, welches zum KZ-Neuengamme gehörte, sorgten für großes Aufsehen. Auch dass Günther Quandt von einer „Fluktuation“ von 80 Personen monatlich ausging - also 80 Tote je Monat – und dieses auch mit der SS-Führung vereinbart hatte, zeigt deutlich, dass ihm die schlechten Arbeitsbedingungen und die stark lebensverkürzenden Umstände in seinen Fabriken durchaus bewusst waren. Nach Einschätzung von Benjamin Ferencz, der bei den Nürnberger Prozessen für die Anklagebehörde arbeitete, wären die Quandts ebenso wie Alfred Krupp von Bohlen und Halbach, Friedrich Flick und die Verantwortlichen der I.G. Farben als Hauptkriegsverbrecher angeklagt worden, wenn die heute zugänglichen Dokumente den Anklägern damals vorgelegen hätten. Günther Quandt schaffte es, sich der juristischen Verantwortung zu entziehen.
Lange wollte sich die Familie zu den Vorwürfen nicht äußern. 2000 wurde aufgrund einer angedrohten Sammelklage der sogenannte „Zwangsarbeiter-Fonds“ eingerichtet, welcher von fast allen Unternehmen an denen die Quandts große Anteile haben, großzügig unterstützt wurde. BMW und ALTANA gehörten sogar zu den Gründern dieses Fonds.
Erst 2011 äußerten sich Gabriele und Stefan Quandt, Enkel Günther Quandts, kritisch über ihren Umgang mit der Vergangenheit ihrer Familie. Die Hauptaktionäre der Varta, die Familien Quandt und Klatten, lehnten die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des KZ´s Hannover Stöcken auf dem Firmengelände ab.
Leander Diecke, Maximilian Fox

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