Während seiner kurzen Existenz leisteten 26 Millionen Zwangsarbeiter aus ganz Europa Zwangsarbeit für das NS-Regime. Die oft vergessene Seite der Bewacher soll hier näher beleuchtet werden.
Sachsenhausen, Bewachungsanlagen; Quelle: Deutscher Fernsehfunk, Bildarchiv
Das sogenannte Dritte Reich Hitlers hatte von 1933 bis 1945 Bestand. Dies mag als eine kurze Zeitperiode erscheinen, doch kein anderer Staatsapparat ist so als Sinnbild des Bösen in die Geschichte eingegangen. Alleine in Berlin wurden 3000 Lager für Zwangsarbeiter geschaffen, oft bildeten diese ein Viertel der Werksbelegschaft, manchmal 60%.
Die Bewachung regelten meist Wehrmacht, bzw. SS-Verbände oder auf freiwilliger Basis rekrutierte Hilfskräfte aus den besetzten Gebieten. Dabei muss zwischen den verschiedenen Lagertypen unterschieden werden, so gab es Konzentrationslager, die nach dem Prinzip ,,Vernichtung durch Arbeit´´ betrieben wurden; die Wehrmacht sorgte für Kriegsgefangene, bis diese in das Reich abtransportiert wurden; und Betriebe sorgten generell selbst für die Unterbringung und Bewachung der Arbeitskräfte. Auffällig ist dabei, dass der Werksschutz bzw. das Wachpersonal oft aus Veteranen des Ersten Weltkriegs bestand bzw. aus ausgemusterten Wehrmachtssoldaten (diese sorgten bei Beurlaubung und auf dem Rückweg in die Heimat auch für die Bewachung der Zwangsarbeiter bei Überführung aus den eroberten Gebieten).
Die SS bemühte sich Rekruten besonders aus Norwegen, Dänemark, der Ukraine, dem Baltikum und Polen anzuwerben und auszubilden. Nach fertiger Ausbildung wurden diese als ,,Trawniki´´ (zu Deutsch Wachmänner) bzw. Hilfswillige (Hiwis)in die Konzentrationslager entsandt. Berüchtigt wurden die Trawnikis nach dem Warschauer Aufstand, bei dem sie für ihre Brutalität und Rücksichtslosigkeit bekannt waren. Die ,,Reichsdeutschen´´ in der SS betrachteten sie als Kameraden und belästigten diese auch nicht, aufgrund der freiwilligen Rekrutierung.
Die von Betrieben selbst gestellten Werksschutzkräfte hatten, wie oben bereits erwähnt, oft militärische Erfahrung, waren aber meist mit Beutewaffen und Beuteausrüstung jeglicher Art ausgestattet. Da die Betriebe jedoch nicht immer eigene Kräfte stellen konnten, schafften Gestapo, SS und der SD Abhilfe. Diese wiederrum hatten mit der Wehrmacht vergleichbare Ausrüstungsgegenstände und Feuerwaffen aus deutscher Fertigung. Darüber hinaus hatten diese mehr Befugnisse als die Hiwis oder Werksschutzkräfte und konnten schon bei geringen Vergehen die Arbeiter erschießen. Die Organisation des Rücktransportes wurde auch von der SS übernommen, falls die Front sich zu nah an das Lager bewegte. Dabei wurde in vier Kategorien der Dringlichkeitsstufen eingeteilt:
1. Bergbau- und Metallfacharbeiter
2. Fach- und Spezialarbeiter
3. Landwirtschaft
4. Sonstige
Entsprechend den Dringlichkeitsstufen wurden die Zwangsarbeitskräfte dann weg von der Front und Richtung Reich transportiert, bis dies aufgrund des Zusammenbruchs der Ostfront Ende 1944/Anfang 1945 nicht mehr möglich war und die Lager häufig aufgelöst wurden und Pläne zur Liquidierung der Arbeitskräfte wurden in Form von Todesmärschen umgesetzt. Nach Eintreffen von alliierten Truppen wurden die Zwangsarbeiter nach Verhalten des Wachpersonals, bzw. des Lagerkommandanten befragt und bei positiven Reaktionen wurden diese laufen gelassen, falls sich das Personal sich nicht schon abgesetzt hat.
Noah Brehm & Niklas Lautenbach
14.07.2016

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