Freitag, 15. Juli 2016

Die heutige Zwangsarbeit findet im Verborgenen statt

„Zum Glück gibt es keine Zwangsarbeit mehr.“- Fehlanzeige! Zwangsarbeit und Sklaverei sind kein historisches Phänomen. Genauso wie vor 70 Jahren, werden Menschen heute noch ausgebeutet. Aber inwiefern unterscheiden sich Gegenwart und Vergangenheit?

In der Gegenwart gibt es noch immer Zwangsarbeit - sie wird nur besser versteckt!
Im 2. Weltkrieg wurden Millionen von Menschen zur Arbeit gezwungen. Manche sogar um sich durch Überarbeitung selbst zu vernichten. Sie wurden massenweise in Lager einquartiert und mussten unter unmenschlichen Bedingungen stundenlang schuften. Dabei wurde ihre Freiheit massiv eingeschränkt. Auch heutige Zwangsarbeiter leiden unter ähnlichen Bedingungen. Dennoch gibt es grundlegende Veränderungen, die unter anderem die Bekämpfung dieser Menschenrechtsverletzung erschweren, denn Sklaverei und Zwangsarbeit sind international verboten.

Dieser Artikel  behandelt anhand von Beispielen die Situation moderner Zwangsarbeiter und vergleicht diese mit der der NS-Zeit, um zu zeigen, dass die Gegenwart doch nicht so frei und liberal ist, wie wir vielleicht denken.


Beispiel Nord-Korea

Ein Paradebeispiel für Zwangsarbeit, welches auch den meisten Leuten gleich in den Kopf schießt, ist Nord-Korea. Eine Diktatur, welche eine schwache Wirtschaft besitzt und unter den Konsequenzen von internationalen Sanktionen zu leiden hat. Politische Gegner werden in Arbeitslagern, sogenannten Internierungslagern, verwahrt, und müssen dort unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Man nimmt an, dass Nordkorea über sechs Internierungslager verfügt, welche insgesamt ca. 200.000 Insassen beherbergen sollen, Tendenz steigend. In den letzten Jahren wurden sie stetig weiter ausgebaut, um ihre Kapazität zu erhöhen. Die Arbeit in diesen Lagern bei Hungerrationen ist sehr schwer und entbehrlich. Vergewaltigungen, Folter und Tod sind Alltag in diesen Lagern. Insassen müssen laut Zeugenaussagen beispielsweise ihre eigenen Gräber schaufeln bevor sie getötet werden und schwangeren Frauen werden die Bäuche aufgeschnitten und später getötet (Q1).
Illustration nordkorenischer Zwangsarbeit
Außerdem hat sich seit einigen Jahrzehnten eine neue Form der Zwangsarbeit etabliert. Um seine Devisen zahlen zu können, hat sich Kim-Jong-Un dazu entschieden, seine eigenen Landsleute als billige Arbeitskräfte auch ins Ausland zu verkaufen. Dort arbeiten sie zu einem Bruchteil des versprochenen Lohnes dessen Hauptteil in die nordkoreanische Staatskasse fließt, ca. 90% (Q2). Zurzeit soll es etwa 50.000 dieser Arbeiter rund um den Globus geben, welche jährlich ca. 2 Mrd Euro erwirtschaften. Aufgenommen in dieses Programm werden nur die, welche parteitreu sind, über eine stabile Ehe verfügen und nicht vorbestraft sind. Seit Kim-Jong-Uns Machtübernahme hat sich die Zahl der exportierten Arbeiter verdoppelt. Die Hauptabnehmer sind Russland und China, aber europäische Staaten sind involviert.
Il Lim war einer dieser Arbeiter. 1995 bewarb er sich wie viele andere für einen dieser Berufe als  Arbeiter im Ausland. So kam er auf eine Baustelle in Kuwait und arbeitete dort zusammen mit ca. 2.000 Landsleuten auf einer zu ihrer „eigenen Sicherheit“ mit Stacheldraht abgesperrten Baustelle. Er soll der erste Arbeiter sein, dem die Flucht gelungen ist. Heute arbeitet Il Lim in Seoul, Süd-Korea, beim Asan-Institut, welches sich für die Menschenrechte in Nord-Korea einsetzt. Er weiß bis heute nicht, was mit seiner Familie passiert ist, da den Familien von geflohenen Arbeitern ebenfalls das Arbeitslager droht.
Ein weiteres Beispiel ist das Dorf Piotrovice, Polen. Dort arbeiten ca. 50 - 60 Nordkoreaner bei der örtlichen Tomatenzucht. Sie sprechen kein Wort polnisch und arbeiten hinter hohen mit Stacheldraht versehenen Mauern, überwacht von nordkoreanischen Aufsehern. Der Arbeitgeber und weiteres Personal verweigern eine Stellungnahme zu diesem Thema.



Vergleich mit der NS-Zeit

Ein tragender Fakt der modernen Zwangsarbeit ist die Lockung der Arbeiter durch leere Versprechungen. Fast alle Zwangsarbeiter melden sich freiwillig, da die ökonomische Situation in ihren Ländern sie um jede Möglichkeit kämpfen lässt. Versprochener hoher Lohn, Bildung oder der Weg in ein besseres Leben geben den verzweifelten Arbeiter, die meist aus Ländern der Dritten Welt stammen, Hoffnung. Doch im Lager realisieren sie schnell, dass sie betrogen und ausgebeutet werden. Während im Dritten Reich ein Regime Menschen aus ihren Zuhause zerrte, kommen die Arbeiter jetzt sogar von alleine und werden dann festgehalten. Dadurch ist es schwer gegen die Verantwortlichen vorzugehen, da sie so im Schatten agieren können. Außerdem ist alles streng geheim. Zwar durften auch viele Zwangsarbeiter in der NS-Zeit nicht mit anderen sprechen, aber moderne Arbeitslager sind komplett von der Zivilisation abgeschottet und jegliche Kommunikation unter den Arbeitern wie auch unter Außenstehenden wird streng bestraft. Im Dritten Reich durften manche Zwangsarbeiter die Lager verlassen und die Lager wurden auch an zentralen urbanen Orten erbaut (bis auf Konzentrationslager). Die Bedingungen mit denen die Arbeiter leben müssen sind sehr ähnlich. Sie müssen in Massen in kleinen Räumen unterkommen und bekommen wenige Rationen. Sie arbeiten oft die ganze Woche für mehr als 12 Stunden unter menschenunwürdigen Bedingungen (z.B große Hitze, ohne Sicherheitsvorkehrungen usw.) und werden von willkürlichen Wärtern hart bestraft. Das alles für den ökonomischem Erfolg anderer, was der NS-Zeit stark ähnelt.

Schlussendlich ist festzuhalten, dass Zwangsarbeit immer noch ein großes Problem der heutigen Gesellschaft ist. Auch wenn die westliche Gesellschaft größtenteils frei von Zwängen ist, profitiert sie immer noch von billigen Produkten, hergestellt von Zwangsarbeitern . Auch wenn es schon viele Erfolge zum Thema Zwangsarbeit gab, ist es noch ein weiter Weg.

Autoren: Zentus, Otto Teutoburg


Quellen:
Textquellen:
(1)
http://www.stern.de/politik/ausland/nordkoreas-arbeitslager-skizzen-aus-der-hoelle-3643140.html
(2)
http://www.zeit.de/2016/13/nordkorea-zwangsarbeiter-ausland-polen/komplettansicht
(3)
http://menschenrechte-durchsetzen.dgvn.de/themenschwerpunkte-menschenrechte/moderne-sklaverei-und-zwangsarbeit/
(4)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/moderne-zwangsarbeit-die-sklaverei-blueht-noch-immer-a-182450.html
(5)
http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/sklaverei-ausbeutung-global-slavery-index-komplexitaet

Bildquelle:
-http://img.zeit.de/wirtschaft/2016-03/nordkorea-zwangsarbeiter-eu-kim-jung-un/wide__820x461



Die Familie Quandt während der NS-Zeit

Ein Wirtschaftsimperium aufgrund von NS Zwangsarbeit?


Die Quandts sind laut dem „Forbes Magazin“ mit Abstand die reichste Familie Deutschlands. Ihr Vermögen basiert jedoch auch auf engen Verbindungen zum NS-Regime und dem damit verbundenen massiven Einsatz von Zwangsarbeitern in ihren Betrieben.

Wer sind die Quandts?

wikipedia.de/Günther_Quandt
Die Quandts sind eine deutsche Industriellenfamilie. Ihr Vermögen wurde 2007 auf 20 Milliarden Euro geschätzt. Die als öffentlichkeitsscheu geltenden Quandts nehmen aktuell (2014) mit 31 Mrd. € den Spitzenplatz auf der List der 500 reichsten Deutschen ein.
Im Verlauf der industriellen Revolution entstanden in der Mark Brandenburg zahlreiche Webereien. Emil Quandt (1849–1925) übernahm 1883 die Tuchmanufaktur seines vormaligen Arbeitgebers und produzierte unter anderen Uniformen für die Armee. Günther Quandt (1881–1954) baute im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Zeit die Firmenbeteiligungen weiter aus und erwirtschaftete eines der größten Firmenvermögen der damaligen Zeit. In der Zeit des Nationalsozialismus vermehrte und vergrößerte Günther Quandt den Familienbesitz teils auf Kosten unrechtmäßig enteigneter, meist jüdischer Konkurrenten und wurde zu einem großen Produzenten von Rüstungs- und Industriegütern. Die Quandts profitierten erheblich im Zweiten Weltkrieg vom Zwangsarbeitereinsatz in ihren Fabriken.
Das heutige Vermögen der Familie Quandt beruht insbesondere auf dem Engagement von Herbert Quandt bei der Sanierung des Automobilherstellers BMW Anfang der 1960er Jahre. Der mit Abstand größte Teil des Quandt-Vermögens besteht heute in der Beteiligung an BMW.


Die Quandts während der NS-Zeit

Die 2007 ausgestrahlte NDR-Doku „Das Schweigen der Quandts“ löste eine kontroverse Diskussion über die Rolle der Quandts während der NS-Zeit aus. Besonders die durch die Doku veröffentlichten Berichte über sehr schlechte Arbeitsbedingungen in der Batteriefabrik Pertrix und des firmeneigenen KZ-Außenlagers Hannover-Stöcken, welches zum KZ-Neuengamme gehörte, sorgten für großes Aufsehen. Auch dass Günther Quandt von einer „Fluktuation“ von 80 Personen monatlich ausging - also 80 Tote je Monat – und dieses auch mit der SS-Führung vereinbart hatte, zeigt deutlich, dass ihm die schlechten Arbeitsbedingungen und die stark lebensverkürzenden Umstände in seinen Fabriken durchaus bewusst waren.  Nach Einschätzung von Benjamin Ferencz, der bei den Nürnberger Prozessen für die Anklagebehörde arbeitete, wären die Quandts ebenso wie Alfred Krupp von Bohlen und Halbach, Friedrich Flick und die Verantwortlichen der I.G. Farben als Hauptkriegsverbrecher angeklagt worden, wenn die heute zugänglichen Dokumente den Anklägern damals vorgelegen hätten. Günther Quandt schaffte es, sich der juristischen Verantwortung zu entziehen.

Lange wollte sich die Familie zu den Vorwürfen nicht äußern. 2000 wurde aufgrund einer angedrohten Sammelklage der sogenannte „Zwangsarbeiter-Fonds“ eingerichtet, welcher von fast allen Unternehmen an denen die Quandts große Anteile haben, großzügig unterstützt wurde. BMW und ALTANA gehörten sogar zu den Gründern dieses Fonds.
Erst 2011 äußerten sich Gabriele und Stefan Quandt, Enkel Günther Quandts, kritisch über ihren Umgang mit der Vergangenheit ihrer Familie. Die Hauptaktionäre der Varta, die Familien Quandt und Klatten, lehnten die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des KZ´s Hannover Stöcken auf dem Firmengelände ab.


Leander Diecke, Maximilian Fox

Vom Zwangsarbeiter zur Kultfigur


Das Leben eines Franzosen in der Zeit des Nationalsozialismus

 

Cavannas Betriebsausweis als Zwangsarbeiter








François Cavanna war Chefredakteur und Mitbegründer der inzwischen berühmten französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Während des Zweiten Weltkrieges lebte er in Deutschland – als Zwangsarbeiter.

François Cavanna wurde 1923 in Paris als Kind einer Haushaltshilfe und eines Bauarbeiters geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Als er 1943 von der Pariser Polizei von der Baustelle abgeholt wurde, wo er als Maurer arbeitete, begann für ihn sein Leben als Zwangsarbeiter. Nachdem ihm die Polizei mit nach Hause begleitete, damit er ein Minimum seiner Sachen packen konnte, führte man ihn zum Gare de l’Est, wo er in Ungewissheit mit dem Zug nach Deutschland verschleppt wurde. Nach einer dreitägigen Zugfahrt kam er schließlich am 1. Juli in Berlin-Treptow an. Nachdem man ihm einen Schlafplatz im Unterkunftslager Berlin-Niederschöneweide zugewiesen hatte, schickte man ihn umgehend in die Ehrich & Graetz Fabrik. Er durchlief mehrere verschiedene Arbeitsplätze, da er die anderen Zwangsarbeiter entmutigte und eine schlechte Arbeitshaltung aufwies, und gelang somit zu einer Heizpresse, die noch größer war als die bisherigen an denen er vorher arbeiten musste. Dort übten ihn zwei Russinnen ein, eine war Maria, in die er sich verliebte. Seine Arbeit an der Haushohen Heizpresse sah folgendermaßen aus: 6 Tage die Woche begann seine zwölfstündige Schicht, in der er nur eine Viertelstunde Pause hatte, um sechs Uhr morgens. In Sekundenschnelle musste er die 30 kg schwere Platte unter der in Bewegung gesetzten Heizplatte wechseln. Diese Platte hatte Einkerbungen, welche mit heißem flüßigen Bakelit gefüllt waren, dementsprechend war es fast unmöglich die schwere Platte zu entwenden, ohne sich zu verbrennen. Dazu machte ihm der Krach der 20 riesigen Heizpressen zu schaffen. Er beschloss, sich selbst zu verletzten, damit er von der Arbeit befreit wurde. Deshalb arbeitete er nur noch mit der linken Hand, mit der er es nicht gewohnt war, die Hauptarbeit zu verrichten und zerquetschte sich schließlich einen Finger so sehr, dass er ihn verlor. Nach nur zehn Tagen Krankenpause musste er schließlich weiterarbeiten, jetzt aber bei der Trümmerräumung, wo er Waggons mit Trümmern von einer Stelle zur anderen schob.

Trotz der schweren Bedingungen konnte er mit seiner geliebten Maria kommunizieren. In den Pausen trafen sie sich kurz, doch hatten sie kaum Zeit füreinander.
Nachdem sie von der Roten Armee befreit worden waren, hatten sie nur wenig Zeit, um sich wirklich kennenzulernen. Jedoch verbat die sowjetische Regierung jeglichen Kontakt zur westlichen Welt. Trotz dieser Umstände versprach Cavanna seiner Maria sie nicht zu verlassen und sie überall hin zu begleiten. Dies war jedoch schwieriger, als er es sich vorstellte, denn eines Tages wurde Maria von den Sowjets nach Russland entführt. In der Hoffnung Maria zu finden, suchte er sie seitdem in ganz Europa und schloss sich Gruppen an, welche ehemalige Zwangsarbeiter suchten. Er fand sie bis zu seinem Tode nicht.

Einige Zeit später arbeitete er bei einer Zeitung und erkannte so sein Talent als Karikaturist, Schriftsteller und Journalist. Als Mitbegründer der Satire-Zeitschriften „Hara-Kiri“ und „Charlie Hebdo“ verarbeitete er seine negativen Erfahrungen als Zwangsarbeiter. 1979 veröffentlichte er sein Buch „Les Russkoffs“ (deutsch: „Das Lied der Baba“) über die Zwangsarbeit in Berlin und die Liebe zur Ostarbeiterin Maria.
François Cavanna verstarb mit 91 Jahren 2014 in Frankreich. 






(Fotos: Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide)

Leben zwischen zwei Fronten

Wie zwei Fronten das Leben der Familie Kocur durch Flucht und Zwang bestimmten.

 

Wäre die ukrainische Familie Kocur doch besser in Amerika geblieben. Sie entschieden sich jedoch in ihr Geburtsland zurückzukehren, wodurch sie im zweiten Weltkrieg zwischen die Fronten gerieten. Ihr Leben war nun von Fluchten gekennzeichnet und sie gelangten auch in das System der Zwangsarbeit. Erst eine geglückte Flucht bescherte ihnen die ersehnte Freiheit.

 Maria Kiciuk und Theodor Kocur, Foto: Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

Vater Theodor und Mutter Anna wurden 1893 in Dörfern der Westukraine geboren. Auf der Suche nach Arbeit gingen beide in die USA, wo sie sich begegneten. 1914 kehrte Anna mit ihrer Tochter in die Ukraine zurück, der Vater folgte ihnen nach dem Kriegsende. Zusammen bauten sie sich auf einem großen Bauernhof eine neue Existenz auf und bekamen weitere Kinder.

In Folge des Deutsch-Sowjetischen-Nichtangriffspakts annektierte die Sowjetunion 1939 die Westukraine und begann mit Verhaftungen und Deportationen. Daraufhin floh die Familie zum ersten Mal in sicherere Regionen Osteuropas. Als 1941 Galizien von deutschen Truppen erobert wurde, kehrte die Familie wieder auf ihren Hof zurück. Doch schon 1944 verschob sich die Front wieder weiter nach Westen. Deshalb war eine Flucht nach Westen unumgänglich. Sie schlossen sich einem Flüchtlingszug an und gerieten bei Uschhorod in die Gefangenschaft deutscher Truppen. Nach Gefangennahme wurde die Familie nach Wien transportiert und wurde dort in einem Zwangsarbeitslager untergebracht. 1945 wurde ein Teil der Familie in das Zwangsarbeitslager in Berlin-Schöneweide verlegt. Die zwei älteren Kinder gingen im Durcheinander des Krieges verloren.    
„Die Lagerbewohner haben doch mit ihren Kindern hier auf dem Spielplatz gespielt, die waren doch gar nicht eingesperrt“, so beschrieb ein Passant das Leben der Lagerbewohner. Dieses gestaltete sich jedoch ganz anders und sehr monoton. Die Hauptbeschäftigung für die Eltern und das älteste Kind war die Arbeit. Die Jüngeren verbrachten die Zeit im streng bewachten Lager. Auch die gemeinsame Freizeit beschränkte sich auf Aktivitäten im Lager, da ihnen als Ostarbeiter Unternehmungen, wie Kinobesuche und Bahnfahrten verboten waren. Das wenige verdiente Geld wurde für Kost und Logis verbraucht. Der Aufbau    Stube war schlicht. Dreistöckige Holzbetten voller Ungeziefer boten Schlafplätze für insgesamt 20 Arbeiter. Des Weiteren war die Versorgung schlecht, die Tochter Maria erinnert sich an „[…]eine Art Wasser. Wässrige Suppe“(Maria Kiciuk-Kocur, Interview 9.9./11.9. 2014, USA).

Am 22. Februar 1945 ergab sich für die Familie eine Fluchtmöglichkeit, welche sie aus Angst vor der näher kommenden Roten Armee nutzte. Vermutlich erhielten sie hierbei Unterstützung von einer ukrainischen Untergrundorganisation. Mit dem Zug schafften sie es nach Bayern auf einen Bauernhof, wo sie bis zur amerikanischen Befreiung arbeiteten. Danach reisten sie nach Hamburg, wo sie einen kurzzeitigen Aufenthalt hatten, ehe sie die Möglichkeit bekamen, in die USA zu emigrieren. Zur gleichen Zeit wurden die beiden älteren Kinder in die Sowjetunion abgeschoben. Die nächsten neun Jahre verbrachten sie in einem Zwangsarbeitslager in Sibirien. Durch den jahrzehntelang anhaltenden kalten Krieg kam es erst 1991 zur Wiedervereinigung der Familie.

Diese Lebensgeschichte ist ein Beispiel dafür, wie stark die NS-Zeit und der Stalinismus das Leben der osteuropäischen Menschen prägte.

M. Stefan, N. Schulz & D. Schuldt

Zwangsarbeiter sind nicht gleich Zwangsarbeiter

Allen Zwangsarbeitern im 3. Reich ging es schlecht, doch die Lebensbedingungen waren Unterschiedlich, Franzosen, Belgier hatten Ausgang, gab es also eine Mehrklassengesellschaft unter den Arbeitern?

Zunächst muss man sich darüber klar werden, wer Zwangsarbeiter wurde. Darunter fielen „Zigeuner“, Juden, Asoziale, Kriegsgefangene, West-, Ostarbeiter, „Schwule“ und politische Gegner. Sie wurden aus ihrer Heimat entführt und in ein Arbeitslager innerhalb des Reichsgebietes verteilt, die Lagerbedingungen waren von Lager zu Lager unterschiedlich, jedoch lässt sich ein Muster in der Behandlung der oben genannten Gruppen erkennen. An oberster Stelle standen Westarbeiter und westliche Kriegsgefangene. Sie hatten mehr Freiheiten z.B. durften sie das Lager in ihrer Freizeit verlassen, bekamen einen halbwegs angemessenen Lohn, von dem sie auch in die Rentenkasse und Sozial-, Arbeitsunfähigkeitsversicherungen einzahlen und hatten ein Anrecht auf die Leistungen während des Krieges aber auch noch nach ihrer Heimkehr. „ Ein einfacher Zaun umrandete das Lager und man konnte es betreten und verlassen wie man wollte“ (Raymond Baucher, französischer Zwangsarbeiter)

Anders hingegen sah es bei den Ostarbeitern aus, sie hatten weniger Rechte und Freiheiten. Ihnen wurde weniger Lohn gezahlt, von dem auch noch für Kost- und Logieabgaben zu leisten waren, zudem musste ein Ausfall der Arbeitskraft von ihr selber 10 Reichsmark pro Tag an das Unternehmen gezahlt werden bei einem Stundenlohn von 20 Reichspfennig. „ Wir konnten nirgendwo hingehen, ringsherum gab es 3-4 Reihen Stacheldrahtzaun, sehr hoch.“ (Alexandra G. ukrainische Zwangsarbeiterin)

Die Unterbringung war so organisiert, dass die Nationalitäten und die Geschlechter möglichst getrennt waren, so sollten Aufstände wegen der unterschiedlichen Unterbringung der Zwangsarbeiter verhindert werden. Obwohl die Unterbringung nie wirklich komfortabel war, gab es den Westarbeitern eine weitaus geringere Sterblichkeitsrate. Bindungen der Arbeiter zu Deutschen waren verboten und es wurde versucht sie mit aller Gewalt zu unterbinden, um so ein abschreckendes Beispiel für andere zu liefern. So war es üblich, dass der nicht deutsche Teil meist zum Tode und deutsche Teil zum Ausschluss aus der Volksgemeinschaft verurteilt wurde. Dabei war es egal, ob es sich um West- oder Ostarbeiter handelte.

Die Hygiene im Lager war in der Regel katastrophal, zumal den Insassen die Verwaltung der sanitären Anlagen überlassen war, so hat sich die Situation etwas gebessert, doch konnte es vorkommen, dass die Seife fehlt oder während der Wäsche sämtliche Sachen gestohlen wurden. So war es kein Wunder, dass sich Krankheiten ausbreiteten und schwer auf zu halten sind. So war es die Taktik der Zwangsarbeiter zu warten, bis man im Betrieb ist und alle sanitären Sorgen dort zu erledigen, weil es dort sauberer und sicherer war, zudem hatten man noch ein Stück seiner Privatsphäre gewahrt. (Berichte aus einem italienischem Kriegsgefangenem- Arbeitslager) So ist abschließend zu sagen, dass die Völker westlich des Deutschen Reiches besser behandelt wurden als Arbeiter aus Ostgebieten , doch hat das nichts an ihrer Situation geändert, am Ende waren alle Zwangsarbeiter in einem Terrorregime, in dem sie gezwungen wurden , für einen Hungerlohn gegen ihre Heimatstaaten zu arbeiten.
William R., Tim K., Leon S.
Bildquelle: Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

Unglück im Unglück

Schwangerschaft im Zwangsarbeitslager

Zwangsarbeit war für Frauen schon hart genug. Doch wenn eine Zwangsarbeiterin schwanger wurde, hatte sie es noch viel schwerer und es wurde lebensbedrohlich. Was jedoch passierte genau mit ihnen und ihren ungeborenen Kindern?

Jeder von uns weiß, dass ZwangsarbeiterInnen unter unmenschlichen Bedingungen lebten. Auch bei den Frauen herrschten sehr schlechte Bedingungen, denn bei manchen Frauen ist durch chronischen Hunger und  mangelnder Hygiene der Menstruationszyklus ausgeblieben. Doch was geschah, wenn eine Zwangsarbeiterin schwanger wurde? Generell war die Abtreibung bei Frauen verboten und wurde sehr hart bestraft. Bei Ostarbeiterinnen sah dies jedoch völlig anders aus. Wenn beispielsweise eine Polin schwanger wurde (sexuelle Übergriffe von SS-Männern waren zu diesem Zeitpunkt nicht selten), wurde sie häufig dazu gezwungen, die Schwangerschaft abzubrechen. Außerdem waren auch geschlechtliche Beziehungen der ausländischen Arbeiter mit deutschen Staatsbürgern nicht selten, obwohl diese verboten waren. Der zuständige Arzt beantragte bei der Reichsärztekammer einen Schwangerschaftsabbruch, der entgegen der Rechtslage nach einiger Zeit genehmigt wurde (oder auch nicht). Die schwangere Person wurde daraufhin in das zuständige Krankenhaus eingewiesen. Es gab auch Fälle, bei denen direkt im Zwangsarbeitslager abgetrieben wurde. Dies erfolgte mit einer Kürette, indem man damit die komplette Gebärmutterschleimhaut ausschabte, um damit den Embryo zu entfernen. Dies war sehr schmerzhaft, auch deswegen sträubten sich die meisten gegen eine Abtreibung. Einige versuchten sogar, die Schwangerschaft zu verbergen, und das Kind heimlich zu gebären. Wenn dies jedoch entdeckt wurde, schreckten die meisten Ärzte nicht davor zurück, selbst bei einer fortgeschrittenen Schwangerschaft (bis zum 6.Monat) abzutreiben. Wenn der Geburt jedoch stattgegeben wurde, mussten die Frauen weiterhin bis zu ihrer Entbindung arbeiten. Nach der Geburt mussten sie nahezu sofort wieder anfangen zu arbeiten. Man bekam nur ca. 3 Wochen arbeitsfrei. Die Kinder durften sie meist nicht behalten. Diese wurden in dafür vorgesehene „Ausländer-Pflegestätten“ gebracht (diese kann man auch als systematische Tötungsstätten für Kinder bezeichnen). Dort herrschte nämlich eine extrem hohe Kindersterberate durch geplante Unterernährung, mangelnde ärztliche Versorgung und zu wenig Fürsorge. Das hing mit der Rassenideologie der Nationalsozialisten zusammen, denn die OstarbeiterInnen galten damals als minderwertige Rasse und sollten sich nicht mit der „Herrenrasse“ vermischen, weil sonst „lebensunwertes Leben“ entstehen könnte. Durch die oben genannten unmenschlichen Bedingungen gegenüber Kindern sind wie gesagt sehr viele von ihnen gestorben. Doch was die Todesursachen betrifft, wurde sehr viel gelogen. Meist wurde als Todesgrund allgemeine Schwäche, Ernährungsschwäche und Ernährungsstörung angegeben, was aber nicht stimmte.







Quelle: Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Schöneweide, Berlin; Fotos: Stefan Bach

 Kilian von Sommefeld und Stefan Bach

Donnerstag, 14. Juli 2016

Mit wie wenig kann ein Mensch überleben?

Gesundheitliche Versorgung und Ernährung in den Zwangsarbeitslagern 

Zwangsarbeit zu Zeiten des NS-Regimes war oft verbunden mit dem Tod.                                      „Die Verpflegung war erbärmlich. Schlecht und mies. Einmal am Tag gab es eine Ration.“                                     
Kazimiera Kosnowska (polnische Zwangsarbeiterin)

Dass viele Zwangsarbeiter starben, ist zum einen auf die allgemeine Wohnsituation, aber zum anderen auch auf die organisierte Mangelernährung zurückzuführen. Viele der Zwangsarbeitslager in Deutschland waren überbelegt. Nicht selten fehlte es an Waschgelegenheiten und Kleidung zum Wechseln. Dabei gilt zu beachten, dass Personen verschiedener Herkunft unterschiedlich behandelt wurden.

Die Unterbringungen sorgten für katastrophale Lebensbedingungen. Die aus Holz oder Stein erbauten Baracken waren nicht gedämmt und es gab lediglich einfachverglaste Fenster. So war es im Winter meist sehr kalt und im Sommer sehr warm. Zwar gab es in den meisten Baracken Öfen, jedoch war die Menge an bereitgestelltem Holz sehr beschränkt. (Abb. 1) Außerdem kam es durch die schlechte Dämmung auch zu einer enorm hohen Luftfeuchtigkeit innerhalb der Wohnräume. Diese sorgte dafür, dass Pilze wachsen konnten, was auch unweigerlich zu Krankheiten führte. (Abb. 2) Ein weiteres Problem war, dass sehr viele Menschen auf engstem Raum zusammenlebten. So konnten sich auch Wanzen und Läuse schnell ausbreiten. Die deswegen eigentlich notwendige medizinische Versorgung war nicht vorhanden.

War ein Zwangsarbeiter erkrankt, so wurde allgemein nur selten geholfen. Solange es möglich war, wurden auch kranke Menschen zur Arbeit geschickt. Verweigerten Menschen es, die für sie vorgesehenen Arbeiten zu verrichten, wurden sie physisch bestraft und es wurde ihnen Lebensmittelrationen gekürzt. Es gab zwar offiziell einen Lagerarzt, dieser existierte jedoch meist nur auf dem Papier. Schwer erkrankte Arbeiter versorgte man entweder in abgesonderten Abteilungen in den Lagern oder in sogenannten Ausländerkrankenhäusern. Ein Beispiel für ein solches Krankenhaus war das „Ausländerkrankenhaus Mahlow“, welches 1942 in Berlin erbaut wurde. Die Mortalität war jedoch so hoch, dass es eher einem Sterbelager glich. Darüber hinaus gab es einen Mangel an ausgebildeten Ärzten und Krankenschwestern in jedem Bereich. So wurden oftmals unqualifizierte Zwangsarbeiter für die Versorgung von Kranken eingesetzt. Verweis auf den Text über Abtreibungen
Das Reichsernährungsministerium legte Essensrationen fest, welche sehr knapp bemessen waren. So erhielten die Arbeiter täglich etwa 250 Gramm Brot, ein Stückchen Margarine und eine Kelle Suppe. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sich die Menge an Lebensmitteln, mit denen sich die Zwangsarbeiter zufriedengeben mussten, stark unterschied. So erhielten Ostarbeiter deutlich weniger als Arbeiter aus westlichen Gebieten, obwohl sie gleichwertige Arbeit zu verrichten hatten. (Abb. 3) Wegen dieser Mangelernährung, in Kombination mit meist schwerer körperlicher Arbeit kam es gehäuft dazu, dass Menschen elendig starben. Zudem zweigten Lagerleiter und Küchenchefs oftmals noch etwas von den kleinen Rationen der Zwangsarbeiter ab, um diese auf dem Schwarzmarkt teuer verkaufen zu können.

Insgesamt lässt sich also sagen, dass die Lebensumstände zu damaligen Zeiten in den Arbeitslagern sehr schlecht waren. Die zum Teil unmenschliche Behandlung zeigt nur ein weiteres Mal, wie grausam der Nationalsozialismus war.

 LP JL




Abb. 1: „Polnische Männer sitzen gesammelt in einer Baracke am heizenden Ofen.“,
Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit



Abb. 2: „Pilze wachsen an schimmliger Wand in Baracke 13 des Arbeitslagers in Schöneweide.“ (Foto: LP)



Abb. 3: „Beweismaterial zum Bericht über die Lage der Ostarbeiter.“
Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit